Presseinformation
Schönheit im Alten Ägypten
Sehnsucht nach Vollkommenheit
Die Begriffe für „schön“ und „Schönheit“ waren im Alten Ägypten vielschichtig besetzt und reichten von der äußerlichen Charakterisierung bis hin zum Urteil über die Persönlichkeit. Das Wort nefer taucht in Namen von Königinnen auf – Nefertari oder Nofretete – und sollte nicht nur die körperliche Schönheit bezeichnen. Denn Schönheit ist eine Eigenschaft von Menschen und Göttern, die göttlich oder jedem Gott eigen ist. „Schön“ bedeutet daher gleichzeitig „vollkommen“.
In der Ausstellung wird das Schönheitsideal des Menschen vorwiegend mit Skulpturen illustriert. An ihnen lassen sich Frisuren, Schmuck, Kleidung und Kosmetik veranschaulichen. Gleichzeitig spiegeln sie den Wandel von Mode und Sitten.
Auch die Utensilien, mit deren Hilfe man sich diesem Ideal näherte, werden gezeigt: Salb- und Schminkgefäße, Schmuck und Toilettegegenstände stehen für die Beschäftigung mit der Schönheit und sind oft selbst als schön anzusprechen. Diese Gegenstände hatten aber auch religiöse Bedeutung oder waren mit bestimmten Gottheiten verbunden. Schönheitspflege konnte somit Kulthandlung sein.
Schönheit war auch mit Hygiene verbunden: Baden, Mundspülen und Händewaschen waren Handlungen, die der Vorbereitung auf die Begegnung mit dem Göttlichen dienten. Reinheit galt für die Kultbilder in den Tempeln genauso wie für die Menschen.
Einen lebendigen Eindruck von der Kultur der „Schönheit“ vermitteln Reliefs und Malereien. In ihrem Mittelpunkt stehen meist Feste und Zeremonien, und sie stellen außer Menschen und Göttern auch die Weltordnung – maat - dar, in der sich das Geschehen abspielt.
Diese Ordnung erstreckte sich über das Diesseits hinaus in das Totenreich. Für das ewige Dasein dort war „Schönheit“ in besonderem Maß erforderlich. Man benötigte einen unversehrten, also „schönen“ Körper. Dem galt die Kunst der Mumifizierung, die den Leib für immer erhalten sollte. Die Mumie war jedoch nur Vorstufe für die Umwandlung der Verstorbenen: Der Mensch ging nach bestandenem Totengericht in das ewige Leben ein. Er führte nun ein Dasein in ständiger Vollkommenheit.
So sind auch Begräbnis und Totenkult mit dem Wort nefer verknüpft: „Schöner Westen“ bezeichnet das Totenreich, „schönes Alter“ die lange Lebensdauer, und die Mumie selbst war „schön“, wie auch das Grab.
Gezeigt werden mehr als 300 originale Werke aus Museen in Hildesheim, Berlin und Hannover. Die „Trierer Mumie“ aus der Sammlung des Landesmuseums wird ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein.
Das Ausstellungskonzept entstand am Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim. Für die Präsentation in Trier entwickelte das Rheinische Landesmuseum eine neue Gestaltung.

Relief enes Mädchens mit Lotosblüte. Kalkstein. Um 660 v. Chr.
Aufnahme: Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim
Rheinisches Landesmuseum Trier
Weimarer Allee 1 · 54290 Trier
Telefon +49 (0)651/9774-0 (work)
Fax +49 (0)651/9774-222 (fax)

Stauette der Senebi. Holz. Um 1950 v. Chr.
Aufnahme: Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

