Methode
Im Mittelpunkt der Dendrochronologie steht die Auswertung von Jahrringen, deren Breiten vermessen und als Jahrringkurve eines Baumes dargestellt werden. Die Breite eines Jahrrings wird neben den allgemeinen Standort-bedingungen (Bodengüte, Hangneigung, Höhe, Exposition etc.) vor allem durch klimatische Gegebenheiten (Länge der Vegetationszeit, Wasserhaushalt) bestimmt. Daher weisen die Kurven zweier zeitgleich und unter vergleichbaren Standortfaktoren gewachsener Bäume einer Art sehr ähnliche Verläufe auf. Auf dieser Tatsache basiert die Methode der Dendrochronologie.
Zur Datierung werden die Kurven der zu bestimmenden Hölzer mit Jahrring-sequenzen bekannten Alters verglichen und die Synchronlage ermittelt. Die Bewertung basiert dabei sowohl auf dem optischen Vergleich als auch auf der Auswertung statistischer Kenngrößen wie der Gleichläufigkeit oder dem linearen Korrelationskoeffizienten.

Schematische Darstellung zum Aufbau eines mehrtausendjährigen Kalenders
Jahrringkalender
Grundlage der Datierung sind Referenzkurven (Jahrringkalender), die für einzelne Regionen mit verschiedenen Klima- und Standortbedingungen erarbeitet wurden bzw. fortlaufend überarbeitet werden. Das Grundprinzip des Aufbaus eines Jahrringkalenders ist in Abb. 1 dargestellt: Holzproben, deren Lebenszeiten sich überschneiden, werden aneinander gereiht und verzahnt. Ausgehend von rezenten Bäumen bekannten Alters werden dabei immer ältere Baumgenerationen (z.B. Hölzer aus alten Fachwerkhäusern oder von archäologischen Grabungen), deren jüngere Abschnitte sich mit dem älteren Ende der Kurve decken, zur Verlängerung herangezogen. Dieses Überbrückungsverfahren ermöglicht die Erstellung eines quasi „endlosen“ Baum- oder Jahrringkalenders.
Der Trierer Eichenkalender reicht lückenlos von der Gegenwart bis ins 8. Jh. v. Chr. Daneben liegen mehrere Regional- und Lokalchronologien vor. Ferner werden am RLM Trier auch Referenzkurven für Buchen- und Tannenhölzer erarbeitet, wobei für beide Baumarten bisher je 2 Teilchronologien vorliegen, die den Zeitraum der Römerzeit sowie vom Mittelalter bis heute abdecken.
Bestimmung des Fälljahres
Für eine jahrgenaue Datierung eines Holzes muss das Fälljahr des Baumes be-stimmt werden. Dessen exakte Angabe ist nur möglich, wenn der äußerte Jahr-ring unter der Rinde (die sog. Waldkante) noch vorhanden ist. Fehlt die Wald-kante (durch Bearbeitung oder Verrottung) kann auf Basis noch erhaltener Splintringe ein Fälljahr mit einer gewissen Varianz geschätzt werden. Weist die Proben dagegen weder Waldkante noch Splintholz auf, lässt sich als Fälljahr nur ein terminus post quem angeben.
Zahlreiche Studien aus den letzten Jahren belegen, dass das Holz bis mindestens in die Zeit der Industrialisierung hinein unmittelbar nach der Fällung – also noch im saftfrischen Zustand – bearbeitet und verbaut wurde. Dementsprechend ist das ermittelte Fälljahr mit hoher Sicherheit als Nutzungsjahr zu sehen.
Ansprechpartner

Gründungspfahl Römerbrücke
Mechthild Neyses-Eiden, (Leitung)
Rheinisches Landesmuseum Trier / Dendrochronologisches Forschungslabor
Weimarer Allee 1 · 54290 Trier
Telefon +49 (0)651/9774-115 (work)
Fax +49 (0)651/9774-222 (fax)
mechthild *punkt* neyses *minus* eiden *at* gdke *punkt* rlp *punkt* de

Drei Bruchstücke eines Holzes mit markiertem gleichen Jahrring

